Kleine Krankenkasse dreht größtes Vorsorge-Rad

Zweijährige Pilotphase der „Länger besser leben“-Aktion mit überragenden Ergebnissen abgeschlossen

BERLIN/OBERNKIRCHEN. „Einer guten Idee ist es egal, wer sie hatte“, sagt Friedrich Schütte. Mit diesem „Zaunpfahl“ winkt der Vorstand der Krankenkasse BKK24 direkt in die Richtung von Gesundheitsminister Daniel Bahr. Während man nämlich in Berlin noch nach schlüssigen Konzepten für die künftige Präventionspolitik sucht, scheint die Lösung in der niedersächsischen Provinz bereits gefunden. Eine Umfrage bestätigt dem so genannten „Länger besser leben“-Programm, dass es bei 71 Prozent der Teilnehmer zu einer nachhaltig positiven Änderung des Gesundheitsverhaltens geführt hat.

Wie immer in solchen Fällen scheint die Lösung verblüffend einfach. Europas beste Wissenschaftler hatten in Langzeitstudien die Gründe aufgedeckt, warum manche Menschen seltener krank werden und deutlich länger leben. An der Cambridge Universität wurden deren Forschungsergebnisse aus den Themenfeldern Ernährung, Bewegung, Nikotin- und Alkoholkonsum zusammengeführt. So konnten die Statistiker nachweisen, dass sich ausreichend Bewegung, ausgewogene Ernährung und verantwortungsbewusster Umgang mit Suchtmitteln in ihrer positiven Wirkung nicht nur ergänzen, sondern potenzieren. Die Kernbotschaft: Man muss sich nur an ganz simple Regeln halten, um im Durschnitt 14 Jahre älter zu werden.

Um diese Botschaft herum hat die vergleichsweise kleine BKK24 das „Länger besser leben“-Programm entwickelt. Inhaltlich hält man sich dabei eng an den Weg, den Cambridge vorgegeben hat. Das aktuelle Gesundheitsverhalten wird per Fragebogen ermittelt, danach gibt es gezielte Vorschläge, mit denen man sehr schnell und ohne Verzicht die Empfehlungen der Wissenschaftler erfüllt. Die Reaktion im Pilotort Obernkirchen bei Hannover erwies sich für die Kasse vom ersten Tag an als Aphrodisiakum. Bereits zwölf Monate nach dem Start war die Aktion in 45 Prozent aller vom dostal-Institut befragten Haushalte bekannt. Mit 84 Prozent Akzeptanz im Jahr 2013 schlägt sie alles, was die Leistungskataloge der Krankenversicherungen sonst noch zu bieten haben. Inzwischen ist sogar die bei Gesundheitsthemen stets deutliche Unterzahl der Männer auf einen knappen Zwei-Prozent-Rückstand zusammengeschmolzen und es werden Zielgruppen erreicht, die sich sonst nicht mit Geld oder guten Worten vom Sofa locken lassen. Werte, vor denen selbst die Marktforscher Haltung annehmen.

Natürlich ist es nicht allein die BKK24, die sich den Erfolg auf die Fahnen schreiben darf. Doch die Kasse hatte es geschafft, so ziemlich alle regionalen Vereine, Firmen und sonstige Anbieter von gesunden Leistungen in einem Netzwerk zusammen zu führen, das mit laufend neuen Ideen zum Mitmachen motiviert. Deshalb ist Prävention in Obernkirchen und den weiteren Orten, auf die sich die Aktion inzwischen ausgedehnt hat, von der Pflicht zum Freizeitspaß geworden. Schütte: „Überträgt man die Ergebnisse der Pilotregion auf das gesamte Bundesgebiet, könnte man also selbst mit geringem Aufwand viele Millionen Menschen erreichen. „Das Einsparpotential ist gigantisch, wenn diese Teilnehmer gesünder bleiben und weniger Leistungsausgaben beanspruchen“, rechnet Schütte.

Was auf dem Land geschieht, bleibt natürlich nicht gänzlich verborgen. Niedersachsens Sozialministerin, etliche Bundestagsabgeordnete, die Präventionsbeauftragte der Grünen, ein Europaparlamentarier und führende Wissenschaftler aus allen Teilen der Republik informierten sich bereits über die „Länger besser leben“-Inhalte. Die Schirmherrschaft hat niemand geringeres als Ulla Schmidt, dienstälteste Vorgängerin von Daniel Bahr im Gesundheitsministerium.

Auch wenn der amtierende Minister sich bisher nicht geäußert hat, machen die aktuellen Umfrageergebnisse dem BKK24 Chef Mut für die nächste Phase. Mit potentiellen Partnern wird über die Ausweitung der „Länger besser leben“-Aktion gesprochen - erste Angebote für die ganze Republik sind bereits unter der Internet-Adresse www.LBL-Stadt.de zu finden.

Fragebogen
Arbeiten gemeinsam an Deutschlands größtem regionalen Vorsorgeprojekt: Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und Friedrich Schütte, Vorstand der BKK24.
Ulla Schmidt und Friedrich Schütte