Längeres besseres Leben nun auch auf Rezept

Niedersachsens Hausärzte übernehmen Schlüsselposition bei Deutschlands größtem regionalem Gesundheitsprogramm

OBERNKIRCHEN/HANNOVER. Die Pilotphase ist abgeschlossen. Jetzt holt Deutschlands erfolgreichstes regionales Vorsorgeprogramm zum nächsten Paukenschlag aus. Ab sofort sind die Hausärzte offizielle Partner der „Länger besser leben“-Aktion. Aus Sicht der Initiatoren eine wichtige Voraussetzung für flächendeckende Präventionsmaßnahmen im zweitgrößten Bundesland der Republik.

Die Initiative geht zurück auf eine europaweite Studie zum Gesundheitsverhalten. Nach 20 Jahren Forschung entdeckten Statistiker der Cambridge Universität beim Auswerten von einer halben Million Datensätzen vier einfache Gründe, warum manche Menschen seltener krank und deutlich älter werden: Demnach hebt die Kombination aus bestimmten Inhaltsstoffen bei der Ernährung mit ausreichend Bewegung sowie verantwortungsbewusstem Umgang mit Suchtmitteln die Lebenserwartung um 14 Jahre an und beugt praktisch allen Krankheiten vor.

Auf Basis dieser Erkenntnis entwickelte die BKK24 ihr Programm, das im Pilotort Obernkirchen bei Hannover getestet wurde. Die glänzende Zwischenbilanz im August: Es gibt weit mehr als 4.000 Teilnehmer. Laut der aktuellen Umfrage haben71 Prozent ihr Gesundheitsverhalten dauerhaft geändert. „So erfolgreich ist kein anderes Präventionsangebot der Krankenkassen“, lobt Schirmherrin Ulla Schmidt. Bis zu Ihrem Ausscheiden vor vier Jahren war sie dienstälteste Gesundheitsministerin des Landes.

Auch dass die „Länger besser leben“-Aktion wie die Faust aufs Auge der hausärztlichen Vorsorgeberatung passt, wurde in der Pilotphase getestet. Wer als Mediziner seinen Patienten zum Beispiel zur Gewichtsreduktion schicken will, dem fehlen oft die wohnortnahen Angebote. Diese Lücke schließt das Netzwerk aus inzwischen 150 Gesundheitspartnern, deren Kurs- und Seminartermine sowie weitere Offerten im Internet veröffentlicht werden. „Wir haben beim Thema Prävention gleiche Ziele und gleiche Pflichten gegenüber unseren Kunden und Patienten“, sagt Dr. Reinhard Malek, Arzt aus Bückeburg und Beisitzer im Bezirksvorstand des Landesverbandes der niedersächsischen Hausärzte. Seine Einschätzung zu den möglichen Vorteilen der Zusammenarbeit hat letztlich zum Brückenschlag zwischen Medizinern und Krankenkasse geführt.

Wie ernst es der BKK24 damit ist, mit einem flächendeckenden Vorsorgeangebot eine Steilvorlage für die zukünftige Präventionspolitik zu spielen, zeigen weitere inzwischen vereinbarte Kooperationen. So können schon sehr bald Online-Trainingsangebote, die in Abstimmung mit dem Deutschen Hausärzteverband entwickelt wurden, von niedergelassenen Ärzten begleitet werden. „Ganz sicher die optimale Lösung für Patienten nicht nur, wenn sie mit dem Rauchen aufhören oder ihr Gewicht reduzieren wollen“, meint Friedrich Schütte, Vorstand der BKK24. Auch mit einem anderen Partner, der Deutschen Herzstiftung, wurde ein hochklassiges Programm für den überregionalen Einsatz erprobt. Was für die Teilnehmer anders ist, weiß Marktforscherin Gabriele Dostal, deren Institut die Erfolgszahlen ermittelt hat: „Die Leute haben Spaß und finden mit mehr Gesundheit auch zu mehr Lebensqualität.“

Schütte: „Die Tür ist offen, damit zunächst in Niedersachsen und theoretisch auch aus jeden anderen Teil Deutschlands Partner und deren Angebote aufgenommen werden können.“ Die Fragebogen auf Basis der Cambridge-Studie, mit denen sich die Teilnehmer unabhängig von der Kassenzugehörigkeit die Tür zum „Länger besser leben“-Programm öffnen, sind jetzt schon bundesweit abrufbar: www.LBL-Stadt.de oder Telefon 05724-9710.